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durch Tristan de Dessindigo

Aquarellporträt malen

Aquarellporträt malen

Dieses Tutorial konzentriert sich auf die Erstellung eines Aquarellporträts mit einer technischen Herangehensweise. Charakteristisch für diese Methode sind kontrollierte Pinselstriche, das gezielte Nutzen des weißen Papiers sowie das Auftragen sehr dünner Pigmentschichten.

Das Ziel besteht darin, ein Porträt im kleinen Format zu malen. Dabei stehen die Kontrolle des Wassers, präzise Proportionen und eine sorgfältige tonale Planung im Mittelpunkt, um eine möglichst realistische Darstellung zu erreichen.

Das fertige Werk zeigt ein weibliches Gesicht, dessen Volumen durch warme Farbtöne sowie durch das schrittweise Aufbauen von Schatten, Halbtönen und reservierten Lichtbereichen modelliert wird.

Paul Cézanne, "Selbstporträt" (1895).

Der Maler Paul Cézanne zeigt in seinem Werk Self-Portrait (1895), wie Gesichtsstrukturen durch kontrollierte Lasuren und vereinfachte Formen dargestellt werden können.

Diese Malerei eignet sich besonders gut, um zu beobachten, wie sich die Komplexität eines Gesichts auf klare Farbflächen reduzieren lässt.

Auch der amerikanische Maler John Singer Sargent demonstriert diese Technik meisterhaft, etwa in seinem Aquarellporträt Betty Wertheimer Salaman.

Dieses Werk zeigt eindrucksvoll, wie sich Gesichtsvolumen mit wenigen präzisen Pinselstrichen darstellen lässt, während das weiße Papier als wichtigste Lichtquelle erhalten bleibt.


EIN AQUARELLPORTRÄT MALEN - SCHRITT FÜR SCHRITT

Zunächst erstellen wir eine Strukturzeichnung mit einem sehr weichen HB-Bleistift.

Vertikale und horizontale Hilfslinien bestimmen die Position des Gesichts, die Achsen der Augen sowie die Basis des Kiefers. Dieser Schritt sorgt für korrekte Proportionen, bevor Wasser oder Pigment aufgetragen wird.

Anschließend verstärken wir die wichtigsten Linien mit einem 2B-Bleistift, um klarere Konturen zu definieren. Dabei arbeiten wir vorsichtig, um tiefe Linien zu vermeiden, die später unter der Aquarellfarbe sichtbar bleiben könnten.

Auch das allgemeine Volumen der Haare wird bereits mit größeren, lockeren Strichen angedeutet.


AQUARELL INS SPIEL BRINGEN

Nun beginnen wir mit der Aquarellmalerei, wobei wir mit sehr kleinen Wassermengen arbeiten.

Die Hauptschatten werden zunächst mit einem warmen, leicht gräulichen Pigment angelegt. Diese erste Schicht bildet die tonale Grundlage des Gesichts. Die Farbe bleibt auf kleine Bereiche konzentriert, damit der Farbfluss kontrollierbar bleibt.

Anschließend überarbeiten wir die Linien der Skizze mit einem mittleren Braunton, der mit einem feinen Pinsel auf die Hautbereiche aufgetragen wird. Diese Schicht überdeckt einen großen Teil der ursprünglichen Zeichnung und hilft, die Struktur des Porträts zu vereinheitlichen.

Die hellsten Bereiche lassen wir bewusst unbemalt, damit das weiße Papier als natürliches Licht erhalten bleibt. Erste Hauttöne werden vor allem um die Augen und die Nase herum aufgebaut.

Wir befeuchten den Gesichtsbereich anschließend ganz leicht, um weiche Übergänge zu ermöglichen. Danach tragen wir erste warme Farbtöne auf und achten darauf, die beleuchteten Stellen frei zu lassen.

In dieser Phase ist es besonders wichtig, die Wassermenge im Pinsel genau zu kontrollieren, damit sich die Farben harmonisch miteinander verbinden.



VOLUMEN HINZUFÜGEN

Nun beginnen wir, warme und kühle Halbtöne hinzuzufügen, um die Formen des Gesichts zu modellieren.

Die Übergänge zwischen Licht und Schatten werden durch gezielte Akzente weicher gestaltet. Dieser Schritt verleiht dem Porträt mehr Volumen, während die Transparenz der Aquarellmalerei erhalten bleibt.

Um einen monotonen Hautton zu vermeiden, fügen wir warme rötliche Nuancen an bestimmten Stellen hinzu, etwa an den Wangenknochen oder zwischen den Augenbrauen.

Der Pinsel wird nur leicht mit Pigment beladen, um unerwartete Flecken oder übermäßige Farbansammlungen zu vermeiden.

Die Übergänge um die hellen Bereiche werden vorsichtig mit sauberem Wasser verblendet, um harte Kanten zu vermeiden.

Das Weiß des Papiers bleibt weiterhin die wichtigste Lichtquelle, besonders auf:

- der Stirn
- dem Nasenrücken
- den oberen Wangenpartien

Wir tragen sehr leichte Farbschichten an den Seiten der Nase auf und bewahren dabei den zentralen Lichtreflex. So entsteht ein sanfter Übergang zum Schatten der Nasenflügel.

Wir fügen leichte Schatten unter das untere Augenlid, an die Seiten der Nase und an die Mundwinkel hinzu. Diese Nuancen verstärken den Realismus, ohne die Züge zu verhärten. Wasser wird präzise verwendet, um markante Ränder oder eine übermäßige Ansammlung von Pigment zu vermeiden.

Wir vervollständigen die Bereiche des Halses, indem wir warme und graue Töne von Schatten zu Licht auftragen. Die Übergänge werden bearbeitet, um eine chromatische Kohärenz zwischen Gesicht und Hals zu erhalten. Die stärkste Definition bleibt im Gesicht, um den Fokuspunkt zu bewahren.

Wir erhellen den hellen Bereich des Halses mit einem größeren Pinsel, um sanfte Übergänge zu schaffen. Diese Zone wird mit weniger Details als das Gesicht behandelt, wodurch schnellere und weniger kontrollierte Pinselstriche möglich sind, um die Kontraste zu verstärken.

Die Bereiche des Kleidungsstücks sind schnell und synthetisch mit graustichigen Blautönen gemalt. Unbemalte Reflexionen bleiben erhalten, um Dynamik zu verleihen.

Anschließend tragen wir mit einem größeren Pinsel eine breite Fläche hellen Grüntons um das Gesicht auf. Der Hintergrund bleibt bewusst locker und detailarm, wodurch die visuelle Hierarchie des Bildes verstärkt wird.

Die Konturen der Afro-Haare werden zunächst mit dunkleren Tönen skizziert. Geschwungene Linien deuten die Struktur der Locken an.

Diese Farbtöne werden anschließend leicht nach innen verblendet, um eine gleichmäßige dunkle Masse zu erzeugen.

Eine zweite, leicht feuchte Schicht intensiviert die dunklen Bereiche und verstärkt das Gesamtvolumen der Haare. Gleichzeitig beginnen wir, das Ohr mit warmen Farbtönen zu modellieren.

Freie, geschwungene Pinselstriche entlang der Haarlinie vermitteln den Eindruck von Volumen und Dichte.

Der rechte Bereich der Haare wird schließlich mit einem dunkleren Farbwert verstärkt, um die Gesamtmasse zu definieren. Die zuvor angelegten Locken werden leicht abgeschwächt, damit sie sich harmonisch in die Form einfügen.

Wir tragen eine zusätzliche Schicht auf, um die tiefen Schatten der Haare zu intensivieren und das Gesamtvolumen zu vereinheitlichen. Wir überprüfen die Ränder, die Übergänge und die Proportionen, um eine tonale Konsistenz zu gewährleisten. Diese finale Schicht schließt das Aquarell ab.

Und damit ist unser Aquarellporträt fertig.

Ich hoffe, Sie hatten Freude daran, jeden einzelnen Schritt zu verfolgen und konnten – wie ich – die Sanftheit und Harmonie entdecken, die aus diesem Gesicht entsteht.

Experimentieren Sie gerne weiter und bringen Sie Ihre eigene künstlerische Handschrift in Ihre Porträts ein.

Texter und Illustrator: Julio