Mischtechnik für Anfänger: Mit Aquarell und Tusche malen
In der Welt der Malerei gibt es ein faszinierendes Feld, das man Mischtechniken nennt. Sie ermöglichen es, zwei oder sogar mehrere Medien in einem einzigen Werk miteinander zu verbinden.
Heute lade ich Sie ein, die feine Verbindung zwischen Aquarell und chinesischer Tusche zu entdecken – zwei unglaublich ausdrucksstarke Materialien, deren Kombination Zartheit, Eleganz und Schlichtheit hervorbringt.
EIGENSCHAFTEN VON AQUARELL UND TUSCHE
Beginnen wir damit, die Eigenschaften beider Medien genauer zu betrachten, um zu verstehen, wie sie sich harmonisch kombinieren lassen.
ZUSAMMENSETZUNG
Aquarellfarben bestehen aus farbigen Pigmenten unterschiedlicher Herkunft und Gummiarabikum als Bindemittel – das verleiht ihnen ihre besonderen Eigenschaften. Chinesische Tusche hingegen wird aus Ruß (Lampenruß) hergestellt, der für das tiefe Schwarz sorgt, und enthält Schellack als Bindemittel.
ANWENDUNG
Aquarell wird mit Pinsel und Wasser aufgetragen: Die Pigmente werden verdünnt und anschließend auf das Papier gebracht. Chinesische Tusche kann sowohl mit dem Pinsel als auch mit einer Feder verwendet werden – je nachdem, ob man flächig malen oder präzise Linien zeichnen möchte.
KONSISTENZ
Aquarell ist von Natur aus transparent und eignet sich daher ideal für Lasuren und das Arbeiten in Schichten. Chinesische Tusche ist dagegen dicht und intensiv, bleibt jedoch wasserlöslich. Durch Verdünnung lassen sich auch hier feine Transparenzen und Abstufungen erzielen.
SUMI-E UND ASIATISCHE TRADITION
In China und Japan entwickelte sich eine Technik namens Sumi-e, die auf chinesischer Tusche basiert. Sie dient dazu, minimalistische Landschaften und Kompositionen von großer Ausdruckskraft zu schaffen.
Die Künstler arbeiteten mit mehreren Tuschelasuren in unterschiedlichen Konzentrationen, um vielfältige Schwarznuancen zu erzeugen. Gelegentlich ergänzten sie einzelne symbolische Farbakzente – etwa eine Blume oder eine rote Sonne –, um die Aussage des Werkes zu verstärken.
TIPPS ZUM KOMBINIEREN VON AQUARELL UND TUSCHE
Die folgenden Empfehlungen helfen Ihnen, beide Techniken sicher zu verbinden und eine harmonische Komposition zu gestalten:
Arbeiten Sie zeitlich getrennt: Schließen Sie zunächst alle Schritte mit einem Medium ab, bevor Sie zum anderen wechseln.
Nutzen Sie den Kontrast: Die Leichtigkeit des Aquarells und das tiefe Schwarz der Tusche erzeugen zusammen eine starke visuelle Wirkung.
Arbeiten Sie mit Lasuren: Verdünnen Sie beide Materialien, um eine breite Palette subtiler und stimmiger Farbtöne zu erhalten.
AQUARELL- UND TUSCHEMALEREI IN DER MISCHTECHNIK - SCHRITT FÜR SCHRITT
Bevor Sie beginnen, stellen Sie sicher, dass Sie alles benötigte Material haben. Hier ist eine kleine Checkliste:
- Pinsel in verschiedenen Größen und Formen
- Aquarellfarben (Napf oder Tube)
- Chinesische Tusche
- Feder oder spezieller Tuschepinsel
- Mischpalette
- Dickes Papier (mindestens 250 g/m²)
- Klebeband zum Fixieren der Ränder
- Ein oder zwei Wasserbehälter
- Bleistift und Knetradierer
- Tuch oder Lappen zum Aufnehmen überschüssigen Wassers
SKIZZIEREN
Wir wenden diese Technik auf eine Zeichnung an, die schlicht wirkt, aber eine starke visuelle Präsenz besitzt. Sie werden sehen, wie der Dialog zwischen Tusche und weißen Flächen eine besonders ausdrucksstarke Wirkung erzeugt.
ERSTE AQUARELLSCHICHT
Beginnen Sie mit einem angefeuchteten Pinsel und legen Sie die Form eines Blütenblatts an. Tragen Sie anschließend rosa Pigment auf die noch feuchte Fläche auf und lassen Sie die Farbe sanft verlaufen. Ergänzen Sie weitere ähnliche Farbtöne, um weiche Übergänge und harmonische Verläufe zu schaffen.
Wenden Sie sich danach dem Vogel zu: Setzen Sie einen blauen Aquarellfleck, deuten Sie nur einige Details an und lassen Sie bewusst weiße Flächen frei. Durch stärkere Verdünnung erhalten Sie hellere, zartere Töne.
DETAILS DER BLUMEN UND KNOSPEN HINZUFÜGEN
Mischen Sie Ihrem Grundton (Rosa) einen Hauch Violett bei, um einen dunkleren Farbton zu erhalten, und setzen Sie damit feine Details. Achten Sie darauf, dass die erste Schicht vollständig trocken ist, bevor Sie weiterarbeiten, damit sich die Pigmente nicht ungewollt vermischen.
Für sanfte Übergänge auf trockenem Papier tragen Sie neue Farbe auf und verblenden sie mit einem sauberen, leicht feuchten Pinsel. So erhalten Ihre Knospen mehr Volumen und Tiefe.
WIE ZEICHNET MAN MIT CHINESISCHER TUSCHE?
Bevor Sie zur endgültigen Komposition übergehen, nehmen Sie sich Zeit zum Experimentieren. Üben Sie auf einem separaten Blatt: Laden Sie den Pinsel mit Tusche und testen Sie verschiedene Linien – lang oder kurz, gerade oder geschwungen, Punkte und Striche.
Beobachten Sie die Unterschiede zwischen stark getränktem und fast trockenem Pinsel und probieren Sie auch verdünnte Tusche aus, um ihre Fließfähigkeit kennenzulernen.
Sobald Sie sich sicher fühlen, wechseln Sie zu Ihrer finalen Zeichnung. Zeichnen Sie die Äste des Kirschbaums und lassen Sie bewusst weiße Flächen frei.
Fügen Sie anschließend den Vogel in der Mitte hinzu: Flügel, Kopf mit kleinem rundem Schnabel und die Schwanzfedern in kräftigem Schwarz.
Mischen Sie eine Lavierung, indem Sie die Tusche mit der gleichen oder einer größeren Menge Wasser verdünnen. Damit setzen Sie sekundäre Details wie Blätter oder kleine Zweige.
Diese verdünnte Tusche kann außerdem wie Aquarell eingesetzt werden, um feine Schattierungen in den Federn zu erzeugen oder durch Schichten dunklere Nuancen aus derselben Farbe zu entwickeln.
Hier sehen Sie das Ergebnis unserer heutigen Arbeit: eine Komposition, die Sanftheit und Kontrast ausbalanciert, ausdrucksstark wirkt und dennoch leicht bleibt.
Nun sind Sie an der Reihe. Experimentieren Sie, spielen Sie mit den Materialien und lassen Sie Ihre künstlerische Sensibilität sprechen.
Verfasser und Illustrator: Bryam Nopia