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durch Tristan de Dessindigo

Wie zeichnet man Pop Art?

Wie zeichnet man Pop Art?

Sie haben im Kunstunterricht sicherlich schon von jener künstlerischen Bewegung gehört, die sich durch leuchtende Farben und eine zugleich vertraute wie eigenwillige Ästhetik auszeichnet. Heute lade ich Sie ein, diesem Tutorial zu folgen, um diese Bewegung näher kennenzulernen, ihre wichtigsten Merkmale zu verstehen, Ihr Wissen aufzufrischen und anschließend selbst ein praktisches Beispiel umzusetzen.

WAS IST POP ART?

Mitte der 1950er Jahre stellte man sich in der englischsprachigen Welt – zunächst im Vereinigten Königreich, später auch in den Vereinigten Staaten – immer häufiger eine grundlegende Frage: Ist Kunst für die breite Öffentlichkeit überhaupt verständlich?

Betrachtet man die damalige Situation, erkennt man schnell, dass die Kunst dieser Epoche stark von innovativen und konzeptuellen Strömungen geprägt war, die vor allem die gebildetsten Kreise der Gesellschaft ansprachen. Für viele andere Menschen blieb sie jedoch schwer zugänglich.

So entstand eine spürbare Lücke zwischen Kunst und Alltag – und damit die Notwendigkeit, neue Wege zu finden.

Einige Künstler reagierten darauf, indem sie sich den populären Medien zuwandten: Fernsehen, Zeitschriften, Comics und alltäglichen Bildern. Sie übernahmen diese visuellen Codes bewusst, um eine Kunst zu schaffen, die zugänglicher, vertrauter und universeller wirkte.


HAUPTMERKMALE DER POP ART

Folgende Elemente sind zentral und prägen den Charakter dieser Bewegung:

- Die Verwendung oder Neuinterpretation kultureller Ikonen

- Eine starke, grafische und plakative Ästhetik

- Ironie und kritische Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Gesellschaft

- Reproduzierbare Techniken wie der Siebdruck

ANDY WARHOL - IKONE DER POP ART

Andy Warhol gilt heute als einer der ikonischsten Künstler der Kunstgeschichte. Seine Arbeiten haben die Pop Art nachhaltig geprägt und sind bis heute fest im kollektiven Gedächtnis verankert.

Besonders auffällig ist seine wiederkehrende Nutzung des Siebdrucks. Diese Technik ermöglichte es ihm, Motive vielfach zu reproduzieren. Er kombinierte dabei Porträts berühmter Persönlichkeiten mit alltäglichen Konsumgegenständen – ein bekanntes Beispiel sind seine legendären Suppendosen.


SO ZEICHNET MAN EIN POP-ART-PORTRÄT

Für dieses Tutorial benötigen Sie Graphit- und Farbstifte, einen schwarzen Tintenstift oder feinen Filzstift sowie bunte Marker oder – wenn Sie möchten – Acrylfarbe.

Gemeinsam erstellen wir ein Porträt im Pop-Art-Stil, inspiriert von den zuvor beschriebenen Beispielen.


Das Raster

Die Idee ist, das Porträt einer bekannten Persönlichkeit zu zeichnen. Für mein Beispiel nutze ich ein Referenzfoto aus meinem Archiv. Entscheidend ist jedoch, dass Sie die Rastermethode kennenlernen – ein Werkzeug, das von vielen Künstlern, insbesondere Hyperrealisten, verwendet wird, um Motive präzise zu übertragen.

Zeichnen Sie zunächst ein 2 × 2 cm großes Raster sowohl auf Ihr Zeichenblatt als auch auf das Referenzbild, das Sie am besten ausdrucken. Nummerieren Sie die horizontalen Reihen mit Zahlen (1, 2, 3 …) und die vertikalen mit Buchstaben (a, b, c …). So können Sie jedes Detail eindeutig zuordnen – ähnlich wie bei einem Schachbrett.

Sobald beide Raster fertig sind, übertragen Sie das Motiv Feld für Feld. Nutzen Sie die Linien als Orientierung, um Formen exakt zu platzieren.

Wenn die Skizze steht, beginnen Sie mit dem Nachziehen der Linien. Verwenden Sie Ihren Stift so, als würden Sie mit einer Feder arbeiten: Starten Sie mit einer dünnen Linie, verstärken Sie sie in der Mitte und lassen Sie sie zum Ende hin wieder feiner auslaufen. Das verleiht der Zeichnung eine lebendige und ästhetische Qualität.

Anschließend füllen Sie alle Bereiche, die tiefes Schwarz benötigen – etwa Haare, Schatten unter dem Kinn oder Zwischenräume der Zähne.


EINEN HAUCH VON POP ART EINBRINGEN

Bevor Sie Farbe auftragen, löschen Sie das Raster vollständig. Die Linien dürfen im Endergebnis nicht sichtbar sein.

Arbeiten Sie mit leuchtenden, reinen Farben und tragen Sie diese gleichmäßig auf – ohne Verläufe oder weiche Übergänge.

Um den Stil amerikanischer Comics zu imitieren, können Sie zweifarbige Punkt- oder Streifenmuster einsetzen. Kombinationen aus Blau, Rot und Gelb sorgen für starke Kontraste und bleiben dennoch harmonisch.

Für die Haut verwenden Sie klare, einfache Farbtöne. Verzichten Sie auf Lasuren oder transparente Schichten – der Pop-Art-Stil lebt von einer flachen, grafischen Wirkung. Auch Schatten sollten klar abgegrenzt und ohne Farbverläufe gestaltet werden.

Zum Schluss können Sie Farben wiederholen, etwa indem Sie den Lippenstiftton im Hintergrund oder in den Haaren aufgreifen. Diese Wiederholung schafft visuelle Kohärenz und verstärkt die Gesamtwirkung.

Damit ist Ihr Porträt im typischen Pop-Art-Stil fertig.
Ich hoffe, diese Übung hat Ihnen geholfen, die Bewegung besser zu verstehen und ihren besonderen Geist zwischen Kritik, Humor und Faszination für die Popkultur zu erfassen.

Verfasser und Illustrator: Bryam