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durch Tristan de Dessindigo

Wie zeichnet man ein Gespenst?

Wie zeichnet man ein Gespenst?

Seit jeher macht sich die Menschheit Gedanken über das Jenseits und die Rätsel, die es umgeben. Geister – jene rastlosen Seelen, die unsere Welt heimsuchen – sind zu einem wiederkehrenden Motiv in Literatur, Kunst und Film geworden.

Willkommen zu diesem etwas besonderen Tutorial, in dem wir die Darstellung dieser geheimnisvollen Wesen erkunden und lernen werden, ein echtes Nachtgespenst zu zeichnen.


WIE STELLT MAN EIN GESPENST DAR?

Das klassische Bild eines Geistes, eingehüllt in ein weißes Laken, geht auf das Mittelalter zurück. Damals wurden Verstorbene in ein weißes Leichentuch gehüllt begraben, und man stellte sich vor, dass sie in dieser Gestalt im Jenseits weiter umherirrten. Obwohl dieses Bild heute am bekanntesten ist, bietet uns die Kunstgeschichte zahlreiche weitere Variationen, die es zu entdecken gilt.

Die Darstellung eines Gespensts basiert auf bestimmten Merkmalen, die es von anderen übernatürlichen Erscheinungen unterscheiden. Auch wenn die Erscheinungsformen variieren können, wird ein Geist meist mit einem menschlichen Körper dargestellt, der dünn und zerbrechlich wirkt. Hinzu kommen weiße, durchscheinende Gewänder sowie eine Aura, die irgendwo zwischen unheimlich und himmlisch liegt.


EINEN GEIST ZEICHNEN - SCHRITT FÜR SCHRITT

Beginnen wir damit, die Silhouette einer gequälten Seele zu skizzieren. Wir werden einen skelettartigen Körper in einer gebeugten Haltung zeichnen, bedeckt mit dem traditionellen durchsichtigen Tuch, mit einem Objekt, das seine Bürde symbolisiert: eine Kerze, die er überall mit sich trägt, oder Ketten, die ihn fesseln.


EIN GESPENST SKIZZIEREN

Der Kopf ist ein entscheidendes Element. Zeichnen Sie einen leicht unregelmäßigen Kreis – er muss nicht perfekt sein – und fügen Sie anschließend eine vertikale Linie in der Mitte hinzu, um die Achse des Gesichts festzulegen. Platzieren Sie diese Linie mittig für eine Frontalansicht oder leicht versetzt für eine Dreiviertelansicht.

Von dieser Grundlage aus zeichnen Sie den Kiefer. Sie können ihn ruhig etwas verlängern, um den gespenstischen Charakter zu betonen. Vom Kopf aus führen Sie eine gebogene Wirbelsäule nach unten, von der aus Schultern und Hüften angelegt werden.

Die Arme hängen schwach herab oder heben sich leicht. Eine Hand hält einen Gegenstand, während die andere nach vorne ausgestreckt ist, als würde sie nach etwas greifen. Markieren Sie außerdem die Position des Brustkorbs, da wir ihn später noch benötigen.

Vervollständigen Sie die Skizze, indem Sie die Gesichtshöhlen für Augen, Nase und Mund sowie einige Hilfslinien für die Platzierung des Gewandes einzeichnen. Fügen Sie nun Ihr symbolisches Objekt hinzu – eine Kerze, Ketten oder etwas anderes. Die Beine lassen wir hier bewusst weg, um den schwebenden und geisterhaften Eindruck zu verstärken.


DAS GESICHT EINES GESPENSTS ZEICHNEN

Nun beginnen wir mit der eigentlichen Ausarbeitung der Zeichnung. Für das Gesicht gilt: Weniger ist mehr. Einige Schatten in den Augenhöhlen sowie an Nase und Mund reichen aus, um einen deutlich gruseligeren Effekt zu erzeugen als ein detailliert ausgearbeitetes Gesicht.

Für die Hände verwenden Sie feine, leicht zittrige Linien, die ihnen ein beunruhigend skelettartiges Aussehen verleihen.

Es ist Zeit, die Falten des Mantels zu zeichnen. Markieren Sie zuerst die Spannungspunkte (Schultern, Ellbogen, Hüften) und zeichnen Sie dann lange, fließende Linien, um die Falten und den Fall des Stoffes darzustellen.

 


SCHATTIERUNG

Um den Transparenzeffekt zu erzeugen, arbeiten Sie mit sanften Schatten, die Sie schrittweise übereinanderlegen. Diese Schichttechnik ermöglicht es Ihnen, die Sichtbarkeit von Gesicht und Körper gezielt zu steuern und gleichzeitig den charakteristischen durchscheinenden Effekt eines Gespensts aufzubauen.

Bei den Falten lassen Sie zwischen zwei Schattenbereichen jeweils einen helleren Streifen stehen, der sanft ausläuft.

Im Brustbereich können Sie einige besonders dunkle Stellen hinzufügen, um Rippen, Wirbelsäule und Hüftknochen unter dem Stoff anzudeuten. Zeichnen Sie anschließend die Falten darüber und achten Sie dabei auf die Position Ihrer Lichtquelle, da diese die Stärke und Richtung der Schatten bestimmt.


DIE ZEICHNUNG ABSCHLIEßEN

Unterhalb der Hüfte fällt der Stoff frei nach unten. Die Linien werden hier länger, gerader und vertikaler. Verwenden Sie für die Schattierungen unterschiedliche Grautöne, um dem Stoff mehr Tiefe und Volumen zu verleihen.

 Zum Abschluss verdunkeln Sie den Hintergrund, während Sie um die Kerze herum einen Lichtschein freilassen. Dadurch wird die Lichtquelle stärker hervorgehoben und die Reflexionen auf den von der Flamme beleuchteten Bereichen werden besser sichtbar. Auch der Schatten, den das Gespenst hinter sich wirft, trägt dazu bei, diesen Effekt zu verstärken.

Und da haben Sie es! Sie verfügen nun über alle Grundlagen, um Ihre eigene Version eines Gespensts zu erschaffen. Ergänzen Sie persönliche Details, kulturelle Symbole oder andere Elemente, die Ihre Zeichnung bereichern. Experimentieren Sie ruhig und entwickeln Sie Ihren ganz eigenen Geistertyp.