Manga-Porträt zeichnen – Schritt-für-Schritt-Tutorial
Der Manga hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und prägt die visuelle Kultur nicht nur in Japan und seinen Nachbarländern, sondern inzwischen fast überall auf der Welt.
Heute heiße ich Sie willkommen und lade Sie ein, diesem Tutorial zu folgen, in dem wir lernen, ein Porträt zu zeichnen, indem wir die Besonderheiten dieses so repräsentativen Stils berücksichtigen.
DIE MERKMALE DES MANGA-STILS VERSTEHEN
Um mit dieser Übung zu beginnen, können wir uns zunächst fragen, was diesen Stil so besonders macht. Beginnen wir also damit, seine charakteristischsten Merkmale zu analysieren:
- Augen: meist groß und sehr ausdrucksstark, mit stilisierten Wimpern, die wenig mit einem realistischen Stil gemein haben.
- Nase: klein oder fast nicht vorhanden, häufig nur durch eine einfache Linie angedeutet.
- Mund: schlicht und flexibel gestaltet; oft eine kleine gebogene Linie, die ein leichtes Lächeln andeutet, sich jedoch stark verändern kann, um intensive Emotionen auszudrücken.
- Haare: in vielfältigen Formen dargestellt und deutlich vom Realismus entfernt, mit Strähnen, die auf eine unorganische, aber stark stilisierte Weise angeordnet sind.
WELCHES MATERIAL EIGNET SICH ZUM ZEICHNEN?
Heute habe ich für Sie ein Tutorial zur analogen Zeichnung vorbereitet, mit dem Ziel, die traditionelle Tintechnik zu würdigen. Bereiten Sie daher gutes Papier, Graphitstifte, einen Radiergummi oder Reinigungsknetmasse, einen Stift oder Füllfederhalter sowie Marker in Grautönen vor.
EIN MANGA-PORTRÄT ZEICHNEN - SCHRITT FÜR SCHRITT
Zeichnen Sie zunächst einen großen Kreis. Dieser bildet die Grundlage unseres Kopfes. Achten Sie darauf, dass er ausreichend groß ist, um die Gesichtszüge gut verteilen zu können.
Ziehen Sie anschließend eine horizontale Linie durch die Mitte des Kreises. Sie hilft dabei, die Neigung des Kopfes festzulegen. Zeichnen Sie nun eine vertikale Linie, sodass ein Kreuz entsteht. Die horizontale Linie sollte auf beiden Seiten gleich weit über den Kreis hinausragen wie der Abstand vom Rand zur Mitte.
Von den Seiten des Kreises aus ziehen Sie jeweils eine Linie nach unten bis etwa zur Mitte der vertikalen Linie, um den Kiefer zu formen. Wiederholen Sie diesen Schritt symmetrisch auf der anderen Seite.
Vervollständigen Sie den Hals, der nahezu die gleiche Breite wie der Kopf haben sollte. Achten Sie darauf, ihn nicht zu schmal zu zeichnen – ein häufiger Fehler. Die Ohren platzieren Sie auf Höhe des Übergangs zwischen Kreis und Kiefer.
GESICHTSZÜGE ZEICHNEN
Von der zuvor gezeichneten Kreuzung aus ziehen Sie eine weitere horizontale Linie. Diese bildet einen Leitstreifen, der uns beim Platzieren der Augen hilft. Denken Sie daran, zwischen den Augen einen Abstand zu lassen, der in etwa der Breite eines Auges entspricht.
Zeichnen Sie am Schnittpunkt der Mittellinie mit dem Kreis eine kleine Linie – sie stellt die Nase dar. Darunter zeichnen Sie ein kleines, dreieckiges Lächeln, wie im Beispiel.
Kommen wir nun zu den Augen: Zeichnen Sie große Kreise für die Iris samt Pupillen und definieren Sie den oberen Augenrand, um die Wimpern hervorzuheben. Platzieren Sie anschließend die Augenbrauen auf der Mittellinie und achten Sie auf einen harmonischen Abstand.
Fügen Sie weitere Details hinzu, etwa kleine Spitzen an den Wimpern, um einen feminineren Ausdruck zu erzeugen. Für den Mund füllen Sie den Bereich zwischen den Zähnen und der Lippenlinie mit Schwarz.
HAARE IM MANGA-STIL ZEICHNEN
Nun widmen wir uns den Haaren – einem der anspruchsvollsten, aber auch attraktivsten Elemente dieses Stils. Grundsätzlich empfiehlt es sich, zunächst große Strähnen zu zeichnen, diese anschließend zu unterteilen und darüber feinere Strähnen hinzuzufügen.
Beginnen Sie mit den vorderen Strähnen. Für dieses Modell zeichnen wir drei: eine mittige Strähne, die bis zur Höhe der Augenbrauen reicht, sowie zwei seitliche, die sich in Richtung der Ohren neigen.
Für den restlichen Haarbereich zeichnen Sie eine Führungslinie etwas oberhalb der Schulterlinie. Diese hilft dabei, einen schiefen oder ungleichmäßigen Schnitt zu vermeiden. Nutzen Sie diese Linie, um geschwungene Spitzen in unterschiedlichen Formen zu gestalten.
Ergänzen Sie nun dünnere Strähnen, die sich durch oder parallel zu den breiteren Strähnen ziehen. Dadurch wirkt das Haar dynamischer und natürlicher.
TUSCHEN UND SCHATTIEREN DES PORTRÄTS
Nehmen Sie Ihren Stift oder Füllfederhalter und ziehen Sie die Linien der Zeichnung nach. Variieren Sie dabei bewusst die Strichstärke, um einen stilisierten und lebendigen Effekt zu erzielen.
Schwarz spielt eine zentrale Rolle im Manga-Stil: Starker Kontrast ist essenziell. Verwenden Sie einen schwarzen Marker, um bestimmte Haarpartien oder wichtige Schattenflächen auszufüllen.
Greifen Sie anschließend zu einem grauen Marker mittlerer Tonstärke, um Schattenbereiche wie Iris, einzelne Haarsträhnen, Hals, Ohr oder andere gewünschte Partien zu kolorieren.
Zum Abschluss verwenden Sie einen dunkleren Grauton, um eine Zwischenstufe zwischen Grau und Schwarz zu schaffen. Optional können Sie mit einem weißen Marker oder einem anderen hellen Medium Lichtreflexe und Glanzeffekte setzen.
Damit ist das heutige Tutorial abgeschlossen. Ich hoffe wie immer, dass es Sie inspiriert, Ihre eigene Version zu gestalten und die besprochenen Tipps kreativ umzusetzen.
Verfasser und Illustrator: Bryam