Reliefwirkung zeichnen: Räumliche Tiefe durch Schlagschatten
Beim Zeichnen versucht man, den Blick des Betrachters zu täuschen und ihn davon zu überzeugen, dass Linien und Flächen auf einer zweidimensionalen Oberfläche etwas Räumliches und Reales darstellen. Dieses Streben nach illusionistischer Darstellung hat zur Entwicklung von Konzepten wie Perspektive und Verkürzung sowie zu zahlreichen künstlerischen Techniken geführt, mit denen sich auf einer flachen Bildfläche eine überzeugende räumliche Wirkung erzeugen lässt.
In diesem Artikel betrachten wir verschiedene Methoden, mit denen sich Dreidimensionalität und Plastizität in einer Zeichnung darstellen lassen.
Zwischen Zeichnung und Skulptur: Mantegnas Inspiration
Vor einigen Jahrhunderten stellte sich der Meister Andrea Mantegna die gleiche Frage. In diesem bemerkenswerten Werk ahmt er durch die Malerei eine Skulptur im Flachrelief nach, ähnlich den griechischen Friesen. Bei genauer Betrachtung lassen sich mehrere Merkmale erkennen, die ein Gefühl von großer Tiefe erzeugen: eine monochrome Komposition, in der die Figuren ausschließlich aus Volumina aufgebaut sind, und sehr ausgeprägte Kontakt Schatten, die die Formen auf der Oberfläche des Gemäldes hervorheben.
Die Einführung des Kults der Kybele in Rom, Andrea Mantegna.
In Wirklichkeit könnten wir den gesamten Artikel diesem Werk widmen, da es so viele wertvolle Erkenntnisse bietet. Aber hier dient es uns vor allem als Ausgangspunkt, um die Prinzipien zu verstehen, die es ermöglichen, einer Zeichnung ein Gefühl von Tiefe zu verleihen – Prinzipien, die wir nun konkret anwenden werden.
Der Schlagschatten: Wie man einen skulpturalen Effekt erzeugt
Wie entsteht dieser skulpturale Eindruck? Welche visuellen Hinweise führen dazu, dass unser Gehirn eine zweidimensionale Darstellung als dreidimensionales Objekt interpretiert?
Die wichtigsten Prinzipien sind:
- Stellen Sie sich vor, dass sich alle Objekte und Figuren auf einem flachen Hintergrund befinden, ohne Dekoration oder perspektivische Elemente.
- Jedes Element wirft einen Schlagschatten auf die Wand hinter sich und erzeugt so eine Kontur auf derselben Seite für alle Figuren und Objekte.
- Der Künstler malt ausschließlich die Volumina und lässt Farb- und Texturwerte aus, wodurch das Bild eher an die Vorstellung einer geschnitzten Marmorstatue als an ein monochromatisches Gemälde erinnert.
Um diese Prinzipien praktisch anzuwenden, verwenden wir das Modell eines Ballonhundes. Seine einfache Form, die aus mehreren abgerundeten, zylinderartigen Volumina besteht, eignet sich besonders gut, um die Wirkung von Licht und Schatten schrittweise zu untersuchen.
Ein Hund im Relief: Mit Schlagschatten räumliche Tiefe erzeugen
Zeichnen Sie das ausgewählte Muster und konzentrieren Sie sich dabei ausschließlich auf die Konturen. Das Dekor sollte nicht vorhanden oder sehr flach sein. Sparen Sie die Schatten und Reflexe für den nächsten Schritt auf.
Definieren Sie anschließend eine eindeutige Lichtquelle, beispielsweise in der oberen linken Ecke. Modellieren Sie die einzelnen Volumina entsprechend dem Lichteinfall. Die der Lichtquelle zugewandten Flächen bleiben heller, während die Tonwerte auf der abgewandten Seite allmählich dunkler werden.
Projizieren Sie einen seitlichen Schatten, wobei Sie die Richtung des Lichts beachten. Verlängern Sie den Schatten von der dunklen Kontur aus um einige Zentimeter in die gleiche Richtung und ahmen Sie dabei die Silhouette des Modells nach.
Ein echtes Relief erstellen
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Modellier- oder Tonmaterial zu verwenden, um die Volumina Ihrer Komposition auf einer ebenen Fläche zu gestalten. Um Volumen zu gewinnen, ohne Material zu verschwenden, können Sie Papier- oder Alufolienkugeln verwenden, die mit Klebstoff oder Klebeband auf der Oberfläche befestigt und anschließend mit dem Modellier- oder Tonmaterial bedeckt werden.
Sobald das dreidimensionale Objekt fertiggestellt ist, können Sie selbst den in dem vorherigen Beispiel erzielten Effekt beobachten.
Das Volumenraster
Eine weitere Technik basiert auf einem Raster aus geschwungenen Linien, das die Oberfläche eines dreidimensionalen Objekts visuell beschreibt. Die Linien folgen dabei der Form und den Krümmungen des dargestellten Volumens und ermöglichen es dem Gehirn, eine räumliche Struktur auf einer flachen Oberfläche zu erkennen.
Um herauszufinden, wie stark die Krümmung der einzelnen Linien sein sollte, können Sie sich an der Form des Objekts orientieren. Ist die Krümmung zu stark, wirkt das Volumen übertrieben oder deformiert. Ist sie dagegen zu flach, verliert die Darstellung ihre räumliche Wirkung. Das richtige Maß entwickelt sich vor allem durch Beobachtung und zeichnerische Übung.
Beginnen Sie zunächst mit der Kontur Ihres Objekts. Auch hier eignet sich ein Ballonhund besonders gut, da seine abgerundeten Formen leicht zu analysieren sind.
Zeichnen Sie anschließend eine horizontale Linie in der Mitte, wobei Sie jede Kurve, Faltung oder Vertiefung des Objekts berücksichtigen. Die Krümmung muss genau stimmen: Ist sie zu stark, wirkt das Ergebnis seltsam; ist sie zu flach, geht das gewünschte Volumen verloren.
Zeichnen Sie eine identische Linie einige Zentimeter höher, dann eine weitere darunter, mit ähnlichem Abstand. Setzen Sie dies in beide Richtungen fort und halten Sie dabei einen gleichmäßigen Abstand zwischen den Linien ein.
Wiederholen Sie anschließend die gleiche Prozedur in vertikaler Richtung.
Die beiden Techniken kombinieren
Als letzten Schritt können Sie die Methode der Licht-Schatten-Modellierung mit dem Volumenraster kombinieren. Verwenden Sie zunächst das Raster, um die räumliche Struktur des Objekts zu definieren, und ergänzen Sie anschließend Hell-Dunkel-Abstufungen und Schlagschatten.
Und damit endet dieses Tutorial! Die drei vorgestellten Ansätze sind leicht zugänglich und bieten spannende Möglichkeiten, mit der Wahrnehmung von Räumlichkeit zu experimentieren.
Ob Sie mit Schlagschatten, einem tatsächlichen Relief oder einem Volumenraster arbeiten – jede Methode eröffnet eine andere Möglichkeit, eine zweidimensionale Bildfläche so zu gestalten, dass sie dreidimensional erscheint.
Probieren Sie die verschiedenen Techniken aus, kombinieren Sie sie miteinander und beobachten Sie, wie sich bereits einfache Linien und Tonwertabstufungen auf die räumliche Wirkung Ihrer Zeichnung auswirken.
Bis bald!