Chinesische Tusche für Anfänger
Die Chinesische Tusche ist, wie der Name schon sagt, eine Tinte, die aus China oder Indien stammt (Indian Ink auf Englisch). Ursprünglich wurde sie in Stangenform angeboten, heute findet man sie meist in Flaschen.
Chinesische Tinte ist eine Mischung aus mehreren Komponenten:
- Ruß = Pigment, entsteht durch Verbrennung wie bei Kohle
- Bindemittel: Schellack (Harz eines kleinen Insekts)
- Pflanzliche Bestandteile (verleihen der Tinte eine interessante Textur und machen sie unauslöschlich)
Achtung: Es wird empfohlen, mit freien Ärmeln zu arbeiten!
Chinesische Tinte ist permanent, daher sollte man geeignete Kleidung tragen.
BEISPIELE FÜR TUSCHEZEICHNUNGEN
Gao Xingjian verwendet chinesische Tusche in sehr klaren Kompositionen (Wohin gehen, 2020).
Ebenso Chang Feng, ein chinesischer Künstler des 17. Jahrhunderts.
Victor Hugo nutzte diese Technik für eine Serie von Zeichnungen mit chinesischer Tinte, insbesondere zur Illustration einiger seiner Geschichten. Bemerkenswert ist seine interessante Verwendung der Reserve: Er nutzt ausschließlich das Weiß des Papiers, um einen Lichtglanz in der Mitte der Burg zu erzeugen.
Claire Tabouret, eine zeitgenössische französische Künstlerin, verwendete dieses Medium für eine Serie von Selbstporträts, die sie täglich über ein Jahr hinweg anfertigte. Sie kombiniert Lavierung und Strichzeichnung in verschiedenen Grauabstufungen.
Zao Wou-Ki setzt chinesische Tusche auf ganz andere Weise ein: Inspiriert von der traditionellen Technik schafft er abstrakte Werke auf Papier, wenn er nicht mit Öl auf Leinwand arbeitet.
MATERIALIEN ZUM TUSCHEZEICHNEN
Für den Einstieg in diese Technik gibt es mehrere mögliche Utensilien:
- chinesische Tusche in Flaschen (es gibt auch farbige Tinte)
- Wasser
- ein Lappen
- Zeichenkautschuk zum Arbeiten mit Reserven (optional): Er wird auf das Papier aufgetragen und trocknen gelassen, sodass die Tinte später nicht mit dem Papier in Kontakt kommt. Nach dem Trocknen der Zeichnung wird der Gummi entfernt, wodurch das geschützte Papier sichtbar bleibt und helle Bereiche entstehen.
- Papier: Am besten eignet sich dickes Papier (200–300 g), da es länger feucht bleibt. Dünnes Zeitungspapier kann ebenfalls verwendet werden, besonders für schnelle, ausdrucksstarke und experimentelle Arbeiten. Es trocknet schneller, ist jedoch empfindlicher und kann bei zu viel Wasser reißen.
- eine Feder für feine und präzise Linien
- ein chinesischer Kalligraphiepinsel für kräftige und feine Linien oder ein Aquarellpinsel (weniger präzise, aber ausdrucksstärker und dynamischer)
VORBEREITUNG
Bereiten Sie mehrere Behälter mit unterschiedlichen Grautönen vor:
- ein Glas reines Wasser
- 100 ml Wasser mit 15 Tropfen chinesischer Tinte (Tinte 1)
- 30 ml Wasser mit 30 Tropfen chinesischer Tinte (Tinte 2)
- reine chinesische Tinte mit ein paar Tropfen Wasser (Tinte 3)
- ein kleines Gefäß mit reiner Tinte (ein paar Dutzend Tropfen reichen)
Für diese Übungen benötigen wir Aquarellpapier mit mindestens 200 g. 250 oder 300 g sind noch besser.
Auf diesem Blatt führen wir mehrere kleine Übungen durch, um die grundlegenden Techniken der chinesischen Tinte kennenzulernen.
FARBFELD
Mit Tinte Nr. 2 den Pinsel gut ins Wasser tauchen und überschüssiges Wasser entfernen, ihn aber dennoch gut mit Tinte tränken. Führen Sie gleichmäßige Hin- und Herbewegungen nach unten aus, um eine homogene Fläche zu erzeugen. Stellen Sie sich vor, Sie schieben einen Tropfen mit dem Pinsel über das Papier. Wenn der Tropfen verschwindet, ist der Pinsel zu trocken und muss erneut in die Tinte getaucht werden.
SCHICHTEN
Tragen Sie mehrere Schichten auf. Lassen Sie sie trocknen und überlagern Sie sie anschließend mit weiteren Schichten, um den Effekt zu beobachten. Dabei können Sie mit verschiedenen Tintendichten experimentieren.
Beispiel: erste Flecken mit Tinte Nr. 1, danach weitere mit Tinte Nr. 3 usw.
VERBREITUNG DER TINTE AUF HELLER OBERFLÄCHE
Tragen Sie eine Schicht mit Tinte Nr. 1 auf. Spülen und trocknen Sie den Pinsel.
Solange die Oberfläche noch feucht ist, geben Sie mit der Pinselspitze Tropfen einer dunkleren Lösung darauf, idealerweise aus Behälter 3, um Kontraste zu erzeugen. Beobachten Sie, wie sich die Tinte verdünnt und ausbreitet.
VERBREITUNG VON WASSER AUF DUNKLER OBERFLÄCHE
Tragen Sie eine Schicht mit Tinte Nr. 2 auf. Spülen und trocknen Sie den Pinsel.
Solange die Fläche noch feucht ist, setzen Sie mit der Pinselspitze Tropfen von reinem Wasser auf. Wiederholen Sie den Vorgang bei Bedarf, damit sich das Wasser gut verteilt.
FARBVERLÄUFE
Tauchen Sie den Pinsel in Tinte Nr. 3 und ziehen Sie zwei horizontale Striche nach rechts.
Spülen und trocknen Sie den Pinsel, tauchen Sie ihn in Tinte Nr. 2 und ziehen Sie weitere Linien, um die zuvor aufgetragene Tinte aufzunehmen.
Wiederholen Sie den Vorgang mit Lösung Nr. 1 und schließlich mit reinem Wasser.
Mehrere Versuche sind völlig in Ordnung – diese Übung ist die schwierigste.
Nun kennen Sie die Grundlagen der Tusche-Lavur-Techniken. Jetzt kommen wir zur Praxis!
EINEN BAUM MIT CHINESISCHER TINTE ZEICHNEN
Für das Zeichnen mit chinesischer Tinte eignet sich am besten eine kontrastreiche Vorlage, da die Technik hier besonders wirkungsvoll ist.
Wir bearbeiten ein Motiv, das verschiedene Anwendungen zeigt: Lasur und Details.
Erstellen Sie mit Lösung Nr. 1 eine Fläche über etwa zwei Drittel des Blattes.
Bevor die Tinte trocknet, tupfen Sie mit dem Tuch darüber, um einen nebligen Effekt zu erzeugen – das werden die Wolken. Wenn einige davon aus dem Bildrand herausragen, wirkt die Komposition ausgewogener.
Mit Tinte Nr. 2 legen Sie eine weitere Fläche am unteren Rand an – sie bildet den Boden. Für mehr Kontrast können Sie einzelne Stellen abtupfen.
Wenn beide Bereiche trocken sind, zeichnen Sie die Stämme mit Tinte Nr. 3. Sie werden durch ihren starken Kontrast auf dem Blatt hervorgehoben.
Fügen Sie mit Tinte Nr. 3 einige Schatten am unteren Ende des Hügels hinzu und fügen Sie die Äste hinzu, während die Tinte des Stamms noch feucht ist. So vermeiden Sie sichtbare Übergänge durch unterschiedliche Trocknungszeiten.
Spülen und trocknen Sie den Pinsel. Tauchen Sie ihn in Tinte Nr. 1 und tupfen Sie die Spitze einige Sekunden auf ein Tuch, damit sie nur leicht feucht bleibt. Mit schnellen, trockenen Bewegungen können Sie nun Laubstrukturen auf Bäumen und Boden erzeugen.
Achtung: Der Pinsel darf nicht zu nass sein, sonst entstehen nicht die gewünschten Graseffekte. Testen Sie dies am besten vorher auf einem separaten Blatt.
Mit purer Tinte setzen Sie abschließend klare Schatten an Baumstämmen und Boden, um dem Bild mehr Tiefe und Licht zu verleihen.
Das war’s! Jetzt kennen Sie die grundlegenden Anwendungen für Zeichnungen mit chinesischer Tinte. Wählen Sie nun Ihr eigenes Motiv und interpretieren Sie es frei.