Tusche lavieren: Tuschemalerei leicht gemacht
Aus dem Fernen Osten stammt eines der vielseitigsten und ausdrucksstärksten Materialien für die künstlerische Arbeit: die chinesische Tusche.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie einen Lavis-Effekt erzielen und das volle Potenzial der Tusche ausschöpfen können. Dabei wenden wir einige Prinzipien der Aquarellmalerei an, um überraschende Grauabstufungen und feine Tonwertunterschiede zu erzeugen.
TUSCHEEIGENSCHAFTEN
Chinesische Tusche wird aus Ruß hergestellt. Dadurch entstehen besonders tiefe Schwarztöne, eine homogene Konsistenz und eine charakteristische matte Oberfläche. Sie ist bereits in flüssiger Form erhältlich und sofort gebrauchsfertig, sodass Sie lediglich einen Pinsel oder eine Feder benötigen, um mit dem Arbeiten zu beginnen.

DIE LAVIERUNGSTECHNIK
Wenn Sie bereits mit Aquarellfarben gearbeitet haben, ist Ihnen der Begriff „Lavierung“ vermutlich bekannt. Er bezeichnet das Verdünnen eines Pigments mit Wasser, um unterschiedliche Transparenzgrade zu erzielen. Bei Tusche funktioniert dieses Prinzip genauso: Durch die Verdünnung der Tusche entstehen zahlreiche Grauabstufungen – von tiefem Schwarz bis hin zu zarten, transparenten Tönen.

Die Methode ist einfach. Füllen Sie eine Palette oder mehrere kleine Behälter jeweils mit der gleichen Menge Wasser. Tauchen Sie Ihren Pinsel in die Tusche und geben Sie etwas Farbe in den ersten Behälter. Ohne den Pinsel erneut mit Tusche aufzunehmen, wechseln Sie zum nächsten Behälter und wiederholen den Vorgang. Setzen Sie dies fort, bis sich keine Tusche mehr im Pinsel befindet.

Alternativ können Sie die Tusche tropfenweise dosieren: Geben Sie einen Tropfen in das erste Gefäß, zwei Tropfen in das zweite, drei Tropfen in das dritte und so weiter.
MIT DER LAVIERUNG ARBEITEN
Nun, da Sie wissen, wie sich aus tiefschwarzer Tusche verschiedene Grauabstufungen erzeugen lassen, eröffnen sich zahlreiche kreative Möglichkeiten. Hier sind einige Anregungen, falls Sie nicht wissen, womit Sie beginnen sollen.
Feder und Pinsel kombinieren
Verwenden Sie den Pinsel und die Lavierung für weiche Schattenflächen und die Feder für dunkle, präzise Konturen. Lassen Sie jede Schicht kurz trocknen, um unerwünschte Vermischungen zu vermeiden.
Spontan arbeiten
Frei aufgetragen ermöglicht die Lavierung das Entstehen atmosphärischer Strukturen und überraschender Texturen, die einem Werk viel Ausdruck verleihen.
VOLUMEN UND LICHT GESTALTEN
Auch für einen eher technischen Zeichenstil eignet sich die Lavierung hervorragend. Wie jede andere Maltechnik ermöglicht sie es, Volumen, Licht und Schatten überzeugend darzustellen.
Ohne Einschränkungen experimentieren
Kombinieren Sie die Lavierung mit Aquarellfarben, Buntstiften oder unterschiedlichen Papiersorten. Oft entstehen die spannendsten Ergebnisse durch freies Experimentieren.
TIPPS UND TRICKS
Bevor Sie beginnen, sollten Sie einige Eigenschaften der Tusche kennen. Sie helfen Ihnen dabei, entspannter und kontrollierter zu arbeiten.
Tonwerte verändern sich beim Trocknen
Solange die Tusche feucht ist, wirkt sie glänzender und intensiver. Nach dem Trocknen erscheint sie etwas heller und matter. Tragen Sie die Farbe daher ruhig etwas kräftiger auf, als es dem gewünschten Endergebnis entspricht.
Vorsicht mit zu viel Wasser
Tusche und Wasser lassen sich hervorragend miteinander mischen. Ist das Papier jedoch zu feucht, verläuft die Tusche unkontrolliert. Arbeiten Sie deshalb lieber mit dünnen Schichten und lassen Sie jede Schicht trocknen, bevor Sie die nächste auftragen.
Von hell nach dunkel arbeiten
Beginnen Sie stets mit den hellsten Grautönen und steigern Sie die Tonwerte nach und nach bis zu den tiefsten Schwarztönen.
Die Linienzeichnung kann ganz zum Schluss erfolgen. Wenn Sie sie jedoch lieber zu Beginn anlegen möchten, um sich daran zu orientieren, ist auch das eine gute Vorgehensweise.

EINE TUSCHEZEICHNUNG ERSTELLEN - SCHRITT FÜR SCHRITT
Beginnen Sie mit einer einfachen Bleistiftskizze (2H) eines Schmetterlings. Entfernen Sie anschließend überschüssiges Graphit mit einem Knetradiergummi oder einer weichen Bürste. Radieren Sie außerdem alle Hilfslinien aus, die das fertige Bild beeinträchtigen könnten.

Nehmen Sie anschließend eine Feder oder einen feinen Pinsel und zeichnen Sie die Konturen nach. Variieren Sie die Stärke und Intensität der Linien, um ein lebendigeres und organischeres Ergebnis zu erzielen. Das tiefe Schwarz der Tusche verleiht den Linien dabei ganz von selbst eine starke Ausdruckskraft.

Tragen Sie nun die Lavierung auf. Beginnen Sie mit dem hellsten Grauton, um die Grundstimmung des Motivs festzulegen. Denken Sie daran, die hellsten Bereiche des Bildes freizulassen und das Weiß des Papiers als Lichtquelle zu nutzen.

Arbeiten Sie anschließend die Formen durch mehrere übereinanderliegende Lasuren heraus und verstärken Sie die Schatten schrittweise. Lassen Sie jede Schicht vollständig trocknen, damit saubere Übergänge entstehen. Mit etwas Erfahrung können Sie auch versuchen, Farbverläufe direkt in die noch feuchte Tusche einzuarbeiten.

Die Lavierung mit Tusche ist wesentlich einfacher, als sie auf den ersten Blick erscheint, und ermöglicht beeindruckende Ergebnisse. Ich hoffe, dieser Artikel hat Sie dazu inspiriert, diese faszinierende Technik selbst auszuprobieren.
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