Wie zeichnet man ein ängstliches Gesicht?
Wenn Sie bereits das menschliche Gesicht studiert und gelernt haben, seine Züge, Proportionen und perspektivischen Verzerrungen zu zeichnen, ist es nun an der Zeit für den nächsten Schritt: die Darstellung von Ausdrücken.
Hallo und herzlich willkommen zurück! In diesem Artikel werden wir die Veränderungen des Gesichts analysieren, um einen glaubwürdigen Ausdruck von Angst darzustellen.

Körperliche Merkmale einer verängstigten Person
Wenn Angst auftritt, durchläuft der Körper eine Reihe physischer Veränderungen, die durch Cortisol ausgelöst werden, da Panik sämtliche Abwehrmechanismen aktiviert. Zu den deutlichsten sichtbaren Merkmalen gehören weit geöffnete Augen, angehobene Augenbrauen und erweiterte Pupillen, um die Wahrnehmung von Gefahr zu verbessern.
Auch die Atmung verändert sich: Die Nasenlöcher weiten sich, ebenso öffnet sich der Mund, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen und die Muskeln auf eine mögliche Flucht vorzubereiten. Schließlich verändert sich auch die Körperhaltung deutlich: Die Hände schützen lebenswichtige Organe oder das Gesicht, während sich der Rücken aus demselben Grund krümmt.

Verzerrung der Proportionen
Wenn man ein entspanntes Gesicht mit einem Gesicht vergleicht, das auf Angst reagiert, stellt man fest, dass sich jeder Gesichtszug stark verformt:
- Die Augenbrauen überschreiten ihre Referenzlinie und erzeugen Falten auf der Stirn.
- Die Augen öffnen sich weit und lassen die ganze Iris erscheinen.
- Der Mund öffnet sich komplett und nimmt den gesamten Raum des Kinns ein.
- Folglich senkt sich der Kiefer, wodurch das Kinn nach unten gezogen wird.
- Muskelverspannungen treten im Nacken und den Schultern auf.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte können wir Ausdrücke viel stärker machen, indem wir Übertreibungen verwenden. Zum Beispiel könnten wir sehr kleine Pupillen zeichnen, um ein extremes Niveau an Angst oder Terror zu vermitteln.

Ein ängstliches Gesicht Schritt für Schritt zeichnen
Hier sehen Sie ein Proportionsraster, das wir bereits in anderen Artikeln verwendet haben. Wir nutzen es erneut, um die Linien entsprechend der zuvor beschriebenen Parameter zu platzieren.

Beginnen wir mit den Augen, die sich entlang der Achsen der T-Zone befinden, wobei die Mittellinie als Referenz dient. Achten Sie darauf, sie weit geöffnet darzustellen, sodass die Iris teilweise oder vollständig sichtbar ist. Zusätzlich können Sie feine Ausdruckslinien an den Augenlidern einzeichnen, um die Spannung zu verstärken.

Im nächsten Schritt widmen wir uns der Nase. Verwenden Sie feine Linien, um die Konturen zu definieren, und arbeiten Sie sich bis zum unteren Bereich der T-Zone vor. Vergessen Sie nicht, die Nasenlöcher etwas weiter als gewöhnlich zu zeichnen.

Nun kommen wir zu den Augenbrauen, die oberhalb der T-Zone platziert werden. Während sie sich normalerweise innerhalb dieser Zone befinden, ist ihre Anhebung hier entscheidend – ebenso wie die dadurch entstehenden Stirnfalten.

Als Nächstes folgt der Mund. Normalerweise befindet er sich im unteren markierten Bereich, doch in diesem Fall nutzen wir diesen Abschnitt lediglich als Orientierung, um die Mitte des Mundes zu bestimmen. Anschließend zeichnen Sie die Lippen rund und geöffnet darum herum.

Die Zähne können dabei deutlich sichtbar sein – beobachten Sie hierfür aufmerksam das Beispiel. Im oberen Bereich sind hauptsächlich die vorderen Zähne bis zu den Eckzähnen zu sehen. Im unteren Bereich hingegen wird durch das Öffnen des Kiefers nahezu die gesamte Zahnreihe sichtbar. Zeichnen Sie diese in einer U-Form bis zur Verbindung der Lippen.

Abschließend vervollständigen wir den Umriss. Zeichnen Sie das Kinn so, dass es den Raum einnimmt, der durch den geöffneten Mund entstanden ist. Ergänzen Sie einige Falten, um den Ausdruck zu verstärken, und fügen Sie anschließend Haare sowie weitere Details wie gewohnt hinzu.

Volumen zur Zeichnung hinzufügen
Entfernen Sie zunächst die Reste des Rasters sowie die Skizzenlinien, um eine saubere Zeichnung zu erhalten. Wenn Sie möchten, können Sie ein Tuscheinstrument wie einen Stift oder eine Feder verwenden, um klarere Linien zu erzielen.

Im Allgemeinen empfiehlt es sich, zunächst eine Grundfarbschicht in einem neutralen Ton aufzutragen. Dies erleichtert es, anschließend Schatten und Licht gezielt auszuarbeiten.

Beginnen Sie mit den Gesichtszügen, indem Sie mehrere Schichten ähnlicher Farbtöne auftragen, die schrittweise dunkler werden, und so weiche Übergänge schaffen. Auf diese Weise entsteht eine Grundlage mit realistischem Volumen.

Sobald die Hauptvolumen festgelegt sind, gehen Sie zu den Kontrastbereichen über. Dies sind dunklere Bereiche, die selten Verläufe benötigen und helfen, die Formen und Merkmale klar zu definieren.

Besonders der Mund ist in der Regel dunkler, da seine rötlichen Farbtöne im unteren Bereich der Werteskala liegen. Zögern Sie daher nicht, diesen Bereich stärker zu verdunkeln – auch die Zähne sollten nicht rein weiß bleiben, da echtes Weiß meist nur in punktuellen Lichtreflexen auf den vorderen Zähnen erscheint.

Der letzte Schritt besteht darin, Reflexionen hinzuzufügen. Setzen Sie kleine, leuchtende Akzente auf der Zunge sowie auf den am stärksten beleuchteten Bereichen des Gesichts, um einen organischen Effekt zu erzeugen. Auch andere Partien profitieren von gezielten Aufhellungen, etwa die Nase, bei der sowohl weiche als auch präzise Lichtformen eingesetzt werden können.

Hier sehen Sie das Ergebnis unserer Zeichnung. Deutlich wird, wie sich die Linien anpassen, um den gewünschten Ausdruck zu erzeugen, und wie gezielt eingesetzte Kontraste die dramatische Wirkung verstärken.
Nun sind Sie an der Reihe, Ihre eigene Version zu gestalten. Folgen Sie den einzelnen Schritten und legen Sie los!
Redakteur und Illustrator: Bryam
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