Wie zeichnet man einen Gletscher?
Wenn man an Schnee denkt, stellt man sich oft die weißen Weiten des Winters oder sanft fallende Schneeflocken vor, die bis zum Boden wirbeln.
Doch was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen eine riesige Mauer aus Eis und gepresstem Schnee beschreibe, die sich langsam wie ein gefrorener Fluss durch das Herz eines Tals oder einer Ebene bewegt?
Ja, Gletscher wirken fast unwirklich – und heute schlage ich vor, dass wir gemeinsam die Herausforderung annehmen, einen zu zeichnen.

Die Textur des Eises
Bevor wir beginnen, nehmen wir uns einen Moment Zeit, um dieses Phänomen genauer zu betrachten.
Ein Gletscher ist eine Masse aus Eis und verdichtetem Schnee, deren Struktur an eine Felswand erinnert, während sie gleichzeitig die Reflexionen und die Transluzenz ihres Materials beibehält.

Einen Gletscher Schritt für Schritt zeichnen
Wie üblich beginnen wir mit einem Drittel-Raster.
Wir teilen die Fläche folgendermaßen auf:
Das zentrale Drittel enthält den Gletscher sowie dekorative Elemente wie die Berge.
Das obere Drittel ist dem Himmel vorbehalten.
Das untere Drittel dem See.
Diese Anordnung sorgt für Gleichgewicht und visuelle Klarheit, besonders in einer Szene mit vielen Texturen und Details.
Beginnen Sie damit, einen großen Eisblock zu zeichnen, der aus geraden Linien und unregelmäßigen Spitzen besteht. Variieren Sie dabei Höhe und Breite, um eine natürliche Wirkung zu erzielen.

Fügen Sie anschließend mehrere vertikale Risse über die gesamte Oberfläche hinzu – einige kürzer, andere tiefer oder weiter auseinander.
Ziel ist es, ein organisches Erscheinungsbild zu schaffen, das sich deutlich von jeder mechanischen Symmetrie unterscheidet.

Unterteilen Sie den Block anschließend in kantige Flächen, als bestünde das Eis aus unregelmäßigen Polygonen. Ziehen Sie dafür gerade Linien, die den Gletscher durchqueren und ihm das Aussehen einer fragmentierten Struktur verleihen.

Um die Szene zu bereichern, zeichnen Sie auf der rechten Seite drei Berge, jeweils etwas kleiner als der vorherige. So entsteht ein harmonischer visueller Rhythmus.
Vielleicht wirkt diese Anordnung zunächst unausgeglichen, doch um die Komposition zu balancieren, platzieren wir die Sonne auf der gegenüberliegenden Seite.

Farben zur Zeichnung hinzufügen
Nun ist es Zeit, Farbe ins Spiel zu bringen. Gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor und beobachten Sie, wie das Licht mit den Texturen von Felsen, Eis und Wasser interagiert.
Tragen Sie zunächst eine Grundfarbschicht auf, um die einzelnen Elemente klar voneinander zu unterscheiden. Definieren Sie die Umrisse der Berge, die auf dem Gletscher liegen, der wiederum auf dem See ruht. Für den letzten Schliff setzen Sie das Sonnenlicht zwischen die Berge.

Es empfiehlt sich, den Elementen zunächst eine Texturschicht zu geben. Verwenden Sie ein körniges Werkzeug, wie einen Schwamm, um verschiedene Brauntöne auf die Berge aufzutragen – so lassen sich die Volumen auf natürliche Weise hervorheben.

Unter Berücksichtigung des Lichteinfalls fügen Sie kontrastreiche Bereiche in Brauntönen sowie sehr dunkle Blau- oder Violetttöne hinzu. Sie werden feststellen, dass weiter entfernte Berge stärkere Kontraste aufweisen, während die näher an der Lichtquelle liegenden Berge weichere Übergänge zeigen.

Gehen Sie nun detaillierter vor: Setzen Sie feinere Striche, um Highlights auf hervorstehenden Flächen zu erzeugen, und verstärken Sie die Schatten in Vertiefungen. Für einen eisigen Effekt können Sie mit einem sehr hellen Blau Schneeflächen auf den dunkleren Seiten der Berge andeuten.

Schließlich widmen wir uns dem Berg im Vordergrund, der am stärksten vom Licht beeinflusst wird. Beobachten Sie, wie die Sonne die Oberfläche sanft beleuchtet. Verwenden Sie klare, definierte Striche in verschiedenen Brauntönen, ergänzen Sie Akzente in Ockergelb und eventuell ein dezentes Orange, und setzen Sie Dunkelblau für die Schatten ein.

Volumen zur Zeichnung hinzufügen
Beginnen Sie damit, eine Schicht aus langen, transparenten Strichen in verschiedenen Blautönen aufzutragen. Beobachten Sie, wie dadurch dichtere und hellere Bereiche entstehen – das Volumen bildet sich dabei fast von selbst.

Fügen Sie anschließend Striche in sehr hellem Blau und reinem Weiß hinzu. Diese dienen dazu, die Flächen zu modellieren, die direkt vom Sonnenlicht getroffen werden. Sie werden sehen, wie der Gletscher dadurch zunehmend Form annimmt.

Wenden wir uns nun den Details des Gletschers im Hintergrund zu. Ähnlich wie bei den Bergen arbeiten Sie mit präziseren Strichen, um die Volumen herauszuarbeiten. Stellen Sie sich dabei lange, gerade Formen vor, die sich übereinanderlegen.

Nun zeichnen wir den Gletscher im Vordergrund. Da er stärker vom Licht beeinflusst wird, sind die Kontraste hier geringer. Verwenden Sie daher etwas opakere Blautöne und reduzieren Sie die Reflexionen, um ein ruhigeres und homogeneres Erscheinungsbild zu erzielen.

Das Wasser reflektieren
Der See wirkt wie ein großer Spiegel: Die Elemente spiegeln sich darin umgekehrt wider. Beachten Sie jedoch, dass ein perfektes Spiegelbild nur auf völlig ruhigem Wasser entsteht. Um eine realistischere Wirkung zu erzielen, sollten Sie leichte Bewegungen andeuten.

In einer natürlicheren Darstellung verändern sich die Farben leicht. Dies können Sie erreichen, indem Sie eine dünne Schicht aus opakem Blau auftragen. Achten Sie darauf, die Lichtbereiche an denselben Stellen zu belassen, ohne ihre Intensität zu stark zu reduzieren.
Sie werden außerdem feststellen, dass die Spiegelung weniger detailliert ist und von feinen horizontalen Linien durchzogen wird – diese stellen die Bewegung des Wassers dar.

Abschließend fügen Sie einige Eisstücke hinzu, die auf der Wasseroberfläche treiben. Diese sollten unregelmäßig verteilt sein. Platzieren Sie einige größere Stücke im Vordergrund und kleinere, weiter entfernte in der Nähe des Gletschers. Die entferntesten können Sie einfach durch kleine weiße Punkte andeuten.

Und hier ist das Ergebnis! Ich hoffe, dass Ihnen dieses Tutorial gefallen hat.
Redakteur und Illustrator: Bryam
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