Ein Porträt mit trockenem Pastell zeichnen
Trockenpastell ist ein eigenständiges Medium. Es bewegt sich zwischen Zeichnung und Malerei und ermöglicht es, intensive Farben, sanfte Übergänge und eine große Vielfalt an Texturen zu erzielen.
Besonders im Porträt ist Trockenpastell sehr interessant: Es fängt das Licht ein, gibt die Weichheit der Haut wieder und erlaubt es, Volumen mit viel Feingefühl zu gestalten.
Gleichzeitig kann es auch einschüchternd wirken. Pudrig, zerbrechlich, schwer zu korrigieren … es erfordert einen angepassten Ansatz.
In diesem Artikel sehen wir uns an, wie Sie Schritt für Schritt ein Porträt mit Trockenpastell umsetzen können.

Warum sollte man ein Porträt in Trockenpastell malen?
Trockenpastell bietet zahlreiche Vorteile für die Porträtmalerei. Zunächst ermöglicht es eine unmittelbare chromatische Fülle: Die hochkonzentrierten Pigmente sorgen für intensive und leuchtende Farben. Außerdem erleichtert es feine Abstufungen, da Übergänge zwischen Haut, Schatten und Licht besonders weich und nuanciert gestaltet werden können.
Darüber hinaus lädt das Medium zu einem intuitiveren Arbeiten ein, da Sie das Material direkt mit den Fingern oder einem Wischer bearbeiten können. So entsteht eine sehr taktile Beziehung zur Oberfläche.
Im Gegensatz zum Bleistift erlaubt Pastell, schneller in Farbflächen statt in Linien zu denken. Es ist ein lebendiges, ausdrucksstarkes Medium – und verzeihender, als man zunächst annimmt.
Die Materialien
Es ist nicht notwendig, mit 200 Farben zu beginnen. Verwenden Sie Pastelle in guter Qualität und konzentrieren Sie sich auf Hauttöne, Ocker, ein sanftes Rot, Braun, Grau, Weiß und Schwarz (sparsam eingesetzt).
Wählen Sie außerdem ein geeignetes Papier, idealerweise mit Körnung oder speziell für Pastell. Pastell benötigt Halt: Zu glattes Papier verhindert, dass sich die Schichten gut übereinanderlegen.
Ergänzend können Sie nützliches Zubehör wie einen Knetgummi oder einen Papierwischer verwenden.
Ein Porträt mit Trockenpastell Schritt für Schritt zeichnen
Zunächst empfiehlt es sich, die Farben im Voraus auszuwählen und zu testen, um die verschiedenen möglichen Effekte besser zu verstehen. So vermeiden Sie Farbfehler und machen sich mit dem Material vertraut.

Mit einer hellen Farbe skizzieren Sie die ovale Form des Gesichts und platzieren die wichtigsten Elemente. Achten Sie darauf, nicht ins Detail zu gehen, sondern lediglich die Positionen festzulegen. Die Zeichnung sollte leicht und locker bleiben.

Anschließend legen Sie schrittweise die Hauptschattenbereiche an. Beginnen Sie mit einem hellen Ton und arbeiten Sie in breiten Strichen, ohne sich zu sehr auf Genauigkeit zu konzentrieren. Trockenpastell funktioniert durch sanfte Überlagerungen – es ist besser, nach und nach aufzubauen, als alles auf einmal aufzutragen.

Ein gelungenes Porträt basiert vor allem auf Kontrasten. Fragen Sie sich daher stets, wo sich Licht und Schatten befinden. Selbst mit wenigen Farben kann ein Porträt überzeugend wirken, wenn die Tonwerte stimmen.

Details zur Zeichnung hinzufügen
Sobald die großen Schatten- und Lichtflächen gesetzt sind, können Sie beginnen, die Details von Augenbrauen und Augen auszuarbeiten. Verwenden Sie dafür möglichst präzise Werkzeuge.

Nehmen Sie sich dabei Zeit und zögern Sie nicht, regelmäßig Pausen einzulegen, um das Gesamtbild zu überprüfen. Ein wichtiger Tipp: Bleiben Sie nicht zu lange an einer einzigen Stelle. So bewahren Sie die Spontanität Ihrer Striche.

Dem Porträt Haare hinzufügen
Mit einem mittleren Pastellton (zum Beispiel Braun) legen Sie zunächst die Form und Bewegung der Haare an.

Mit einem dunkleren Braun können Sie bestimmte Bereiche verstärken und die Haarstruktur weiter ausarbeiten. Überprüfen Sie dabei immer wieder die Verteilung von Licht und Schatten, um sicherzustellen, dass die Volumen des Gesichts stimmig bleiben.
Achten Sie darauf, rechtzeitig aufzuhören: Ein zu stark ausgearbeitetes Porträt kann schnell an Frische verlieren.

Häufige Fehler, die man vermeiden sollte
1. Von Anfang an zu stark drücken: Der Trockenpastell lässt sich schichten. Wenn Sie zu stark drücken, sättigt sich das Papier und nimmt keine weiteren Schichten mehr auf.
2. Hautfarben vereinfachen: Haut ist nicht einfach „rosa“. Sie enthält Ocker-, Grau- sowie warme und kühle Töne – je nach Lichtsituation.
3. Zu viel Schwarz verwenden. Reines Schwarz verhärtet die Züge. Es ist besser, Brauntöne, dunkle Blautöne oder Grautöne zu mischen, um natürlichere Schatten zu erzeugen.
Ein Porträt mit Pastellkreide zu zeichnen bedeutet, sich darauf einzulassen, sowohl das Licht als auch die Farbe zu bearbeiten. Es ist ein ausdrucksstarkes, taktiles Medium, manchmal unvorhersehbar... aber zutiefst lebendig.
Beginnen Sie mit großen Flächen, beachten Sie die Wertigkeit und vermeiden Sie Überladung, um leuchtende und sensible Porträts zu erhalten.
Mit der Zeit werden Sie lernen, Ihren Bewegungen zu vertrauen und das Material atmen zu lassen.
Redakteurin und Illustratorin: Sacha Fatticcioni
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